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Wenn Schulpferde keine Schulpferde sind

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Moderator: Stoppelhopser

Wenn Schulpferde keine Schulpferde sind

Beitragvon Froschi » 13. Dez 2011 14:49

Mir ist in letzter zeit immer öfter aufgefallen dass unser Verein Pferde kauft oder kaufen will die völlig ungeeignet fuer den Schulbetrieb sind
Das ganze hat im letzten Winter angefangen
Eines unserer größeren Schulpferde wurde verkauft (völlig sinnlos- sie war ein gutes Pferd fuer den Schulbetrieb) und dann musste ein neues her
Zuerst hatten wir einen ca 180cm großen Wallach da der allerdings einen Herzfehler hatte aber auch nicht einwandfrei ging (im Sinne davon das er gerne losgerannt und gebuckelt ist- also völlig ungeeignet)
Dann kam Sam- den kennt ihr vielleicht aus meinen Berichten
Auch ein großer Wallach aber genau das Gegenteil von seinem Vorgänger auf Probe- Da kann man sich tottreiben und außer selten im Winter läuft er einfach seine Runden
Im Winter wird er halt etwas kerniger
Das Problem bei ihm ist das er so viel Schwung hat das ihn keiner vernnftig aussitzen kann (Ich kann ihn immernoch nicht richtig aussitzen obwohl ich ihn nun fast 11 Monate reite- dafuer kann ich so gut wie alle anderen ganz gut aussitzen)
Das größere Problem ist aber das er beim Putzen satteln und trensen beist- das ist gerade fuer die Reitschukinder nicht so toll die noch kleiner sind
Bei älteren benimmt er sich einigermaßen und es gibt nur 2-3 die ihn gerne reiten und die er dann auch- zum mindest ein bisschen- mag und die er nicht so beist (Ich und ne Freundin gehören dazu)
Aber momentan hat er eine Phase in der er auch bei uns wieder das Beißen anfängt
Aber wir lieben dieses Pferd einfach trotzdem- irgendwie
Er ist einfach unser kleines Trottelchen dem man beim Laufen die Hufe schneiden könnte :love:

Dann gibt es da noch Pina unser Spezialfall
Abstammung von Pilot und in der Box und beim Putzen etc brav wie ein lamm
Geht es dann aber in die Halle bzw auf den Platz darf man sich warm anziehen
Da wird geglotzt und gerannt ohne ende
Zumal Pina große Pferde (Typ Sam) garnicht mag und sobald sie ein Pferd diesen Typs sieht rennt sie los
Keine Ahnung was sie mal erlebt hat geschweige denn was die Ursache fuer ihr Gerenne ist
50% der RSK reiten sie total gerne und 50% haben Angst vor ihr
Das ist kein Zustand finde ich oder?
Ich persönlich reite sie relativ gerne weil mein Sitz auf ihr gut ist und ich lerne weich in der Hand zu sein und nicht zu klemmen (was man nach 13 ahren RU gelernt haben sollte wenn man vernnftige Lehrer hätte-das ist aber ne andere Geschichte)
Wenn man klemmt rennt sie ebenfalls und wenn man eine unruhige oder zu harte Hand bekommt sie Taktfehler
Auch total ungeeignet als Schulpferd
Aladin (Haffi) Lucy (DRP) Mona (Shetty) und Pino (Pony-Mix) sind okay die laufen echt einwandfrei
Dann haben wir allerdings letztens eine Haffistute zur Probe gehabt die nach anderen Pferden getreten hat und mit Kindern ueberfordert war (sie ist aber auch erst 5)- hat sich dann aber eh erledigt gehabt da sie anfing zu lahmen

Nun haben wir einen weiteren Haffiwallach bekommen
Der ist super lieb und geht auch schön an den Zuegel muss sich nurnoch lernen auszubalancieren und rennt eher in den Galopp anstatt die Hilfe anzunehmen- ist aber nicht sehr tragisch da er auf Stimme hört

Lange Rede kurzer Sinn
Kennt ihr sowas auch? Oder ist das nur bei uns so?
Das Thema hat bei mir auch nichts mit Reitschule wechseln/ neue suchen zu tun
Aber mich wuerde einfach gerne eure Erlebnisse etc erfahren
Und sorry das ich keine Punkte Kommas etc setzte meine Tastatur spinnt und will das nicht schreiben :thumbsdown:
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Re: Wenn Schulpferde keine Schulpferde sind

Beitragvon Fellohr » 13. Dez 2011 15:24

Natürlich kann keiner was konkret zu euren Schulis sagen....
Tendenziell ist da aber schon n sehr schmaler Grad auf dem Schulis wandeln - sie sollen bitte artig sein und jeden Anfänger brav durch die Halle tragen, aber die Fortgeschrittenen sollen dennoch zum reiten kommen. Das ganze völlig ohne Eigenarten und bitte auch immer auf dem gleichen Level ohne Launen und Co. Das dies machbar ist, beweisen wohl einige Schulis allerdings ist dafür natürlich auch die Zeit und Mühe zuzahlen, die Pferde Korrektur zureiten und Ihnen ausreichend Freizeit zubieten. Die wenigsten Reitschulen haben aber ein: Geld - entsprechend sinds wenige Schulis die viele Stunden gehen mit unterschiedlichster Art und Reitern.

Allerdings muss ich dich ein wenig enttäuschen : Pferd mit so viel Schwung, dass man sie nicht oder nur schwer sitzen kann, Pferde die das rennen bekommen, wenn man ins ziehen kommt oder klemmt, die nach dem schenkel hauen, wenn er zu weit hinten liegt oder oder oder - das sind die Pferde von denen mans reiten lernt. Das sind Pferde die noch leben und ich dramatisiere mal, noch nicht durchsind. Ohne Korrektur eine Frage der Zeit bis sie es sind, aber dennoch sind das doch die Pferde wie sie "draussen" zu finden sind. Jedes Pferd hat seine Eigenheiten und es gibt viele (mich eingeschlossen) die froh dadrum sind. Es liegt doch am Reiter sich auf ein PFerd einzulassen, sich anzupassen, feinfühlig genug zusein, die verschiedenen Eigenheiten der Pferde spüren und mit em Pferd gemeinsam auf einen Nenner zukommen...

Ich würde Jahrtausende lang die Sterne durchwandern,
in alle Formen mich kleiden,
in alle Sprachen des Lebens,
um dir einmal wieder zu begegnen.

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Re: Wenn Schulpferde keine Schulpferde sind

Beitragvon Froschi » 13. Dez 2011 17:21

Ich verstehe schon was du sagen willst- es ist mir auch klar das man durch diese Pferde viel lernt
Es geht mir in erster Linie darum das die Kinder Angst vor Sam und Pina haben und es das eigentlich nicht sein kann
Ich habe mit den beiden kein Problem Ich reite beide gerne
Wollte nur halt eure Erfahrungen wissen
Und dann wird unsereins aber auf den Pferden geparkt wo die anderen nicht drauf reiten können bzw wollen
Und wenn ich dann zb mal Lucy reiten möchte (Heute habe ich ausnamsweise das Glueck) muss ich das schon Wochen vorher ankuendigen weil auf ihr sehr viele Anfänger reiten usw
Ich möchte sie halt einfach ab und zu reiten weil ich auf ihr das Stellen Biegen etc besser lernen kann als auf zb Aladin der Steif wie ein Brett ist
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Re: Wenn Schulpferde keine Schulpferde sind

Beitragvon Stoppelhopser » 13. Dez 2011 19:18

Ich finde es immer sehr schwierig über die Schulpferde der Reitbetriebe zu urteilen - auch wenn ich nicht alles positiv finde, was in den Reitstunden läuft, sehe ich es als Chance für die Reitschüler.

Klar, gibt es viele schlechte Schulbetriebe, die ausschließlich auf ihren Profit aus sind und dafür "über Leichen gehen" - aber von denen sprechen wir hier ja glaube ich gar nicht erst ;)

Aber auch der durchschnittlich gute Reitbetrieb hat ein Problem - sie müssen wirtschaftlich arbeiten.
Die Pferde müssen meist, sehr günstig eingekauft werden.
Wir alle wissen, dass es Schnäppchen beim Pferdekauf nicht gibt, also sind sie oft entweder alt, sehr jung, angeschlagen oder aus irgendeinem anderen Grund nicht auf dem Privatreitermarkt an den Mann zu bringen (da würde man erheblich mehr an ihnen verdienen). Bedeutet natürlich nicht, dass alle Schulpferde automatisch schlechter sind, allerdings ist das Risiko...das sie Macken mitbringen, schon bedeutend höher
Dazu kommt, die Pferde müssen ihren Lebensunterhalt verdienen - wenn man mal grob überschlägt, was ein Pferd monatlich kostet, kann man sich ausrechnen, wie viele Reitstunden sie für 10-15 Euro pro Monat laufen müssen, bis auch die Gehälter der Angestellten bezahlt sind und der Betreiber auch noch verdient.

Schulpferde haben einen ausgesprochen anspruchsvollen Job. Sie müssen ruhig und gelassen stupide ihre Runden unter blutigen Anfängern, die ihnen in den Rücken plumsen, gehen - um eine Stunde später, unter einem fortgeschrittenen Reiter zu zünden, biegsam und flockig zu sein.
Das die wenigsten Schulpferde diesen Spagat auf Dauer nicht hinbekommen, ohne regelmäßig Korrektur geritten zu werden, ist doch mehr als verständlich. Sie stumpfen ab, werden entweder träge - oder notorische Durchgeher/Bocker, werden steif...unrittig und entwickeln Unarten.
Dem gegenzusteuern, kosten den Reitbetrieb sehr viel Geld und Energie. Theoretisch wäre es natürlich optimal, wenn die Schulpferde nach ihrem Feierabend, noch mal eben Korrektur geritten werden. Aber wer macht das? In einem mittelgroßen Reitbetrieb sind das ruck zuck mal 10-15 Pferde. Finanziell ist das für einen Betrieb über Angestellte kaum machbar. Hut ab vor denen, die genau das tun (oder Freiwillige dafür finden) - dafür ist aber schon sehr viel "Weltverbesserungmentaliät" erforderlich. Genau das sind aber die Reitbetriebe, die den Unterschied zwischen einem Durchschnittlichen und einem Guten machen.
Viel leichter ist es, die Pferde regelmäßig auszuwechseln....so traurig es ist.

Nun, aber wir alle wollen, dass unser Hobby auch für finanziell schwächere zugänglich ist (was ich ja auch sehr positiv finde), Reitunterricht darf nicht zu teuer werden - sonst könnten es sich viele schlichtweg nicht mehr leisten.
So hart das klingt - aber wer Reitstunden für unter 20 Euro nehmen möchte, hat unglaublich Glück, wenn er auf einem leichtrittigen und gut ausgebildeten Lehrpferd Platz nehmen darf. Die Ausbildung und Erhaltung dieser Pferde kostet nämlich unglaublich viel Geld und Zeit....die Meisten lassen sich das teuer bezahlen.

Trotzdem sind genau diese "durchnittlich" guten Reitschulen, die...wo man das reiten wirklich lernen kann. Was gibt es anspruchsvolleres, als sich auf ein verittenes, steifes Schulpferd zu setzen und im Laufe der Reitstunde einen Weg zu finden, dieses Pferd zu lösen. Wenn man einen guten Reitlehrer erwischt, kann man da unheimlich viel daraus mitnehmen.
"Pferdeverstand ist das, was Pferde davon abhält, auf künftiges Verhalten der Menschen zu wetten."
(Oscar Wilde)
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Re: Wenn Schulpferde keine Schulpferde sind

Beitragvon Stuetchen » 13. Dez 2011 20:04

Unsere Schulpferde in meinem jetzigen Stall sind echt lammfromm und sehr umgänglich. Sie reagieren fein und die Kinder lernen das Reiten gut, da (bis auf unsere beiden Ponies) die Schulis bspw. wirklich nur antraben, wenn die Hilfen eben korrekt gegeben werden. Das kommt auch daher, dass sie erfolgreich im Turniersport sind, und dort auch nicht nur von Schulkindern, sondern auch von unserern Kaderreitern und sonstigen wirklich guten Reitern geritten werden.

Schwierig ist, wenn Schulpferde sich den Sattel teilen müssen, weiniger Koppelzeiten haben, als die Pensioner. das ist bei uns nicht der Fall und das macht sich bezahlt. Das kann antürlich auch zu "trotzigem" Verhalten führen.

Mein Stütchen war ja Schulpferd und hat durch ihr Verhalten deutlich gezeigt, dass ihr das nicht gefiel (Steigen, Rennen, ...) Erst durch eine einzige Bezugsperson wurde sie ein angenehmes Reitpferd.
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