Dieses Thema brennt mir schon länger unter den Nägeln, da ich in meinem täglichen Reiter-Umfeld und auch hier im Forum immer wieder damit konfrontiert werde und ich oft immer wieder dasselbe feststelle:
Eine seltsame Form der "emotionalen Anhängigkeit" der Reitschüler zu ihren Reitlehrern!
Als ich diese Woche Einzelunterricht bei meinem mobilen RL hatte, kamen wir nach der Stunde auch kurz auf dieses Thema zu sprechen. Ich erzählte ihm, was ich mir dieses Jahr mit meinem Pferd so alles vorgenommen habe und welche Reitstunden ich in meinem Nachbarverein hin und wieder besuchen möchte. ( Mein RL kennt die dortigen Trainer. ) Er fand das toll und bemerkte auch während der Stunde, dass mein anderer Spring- und VS-Trainer ( wer in meinem Foto-Thread mitliest, weiß ja, wie unsere "Trainings-Konstellation" ist ) mit meinem Pferd "gute Arbeit geleistet hatte, weil er so schön locker war in der Springgymnastik.
Quasi im selben Satz sagte mein RL dann, dass er es "total albern" findet, wenn RL sich gegenseitig schlecht machen, nur um ihre Schüler auf sich zu "fixieren". Was ja nun nicht gerade selten vorkommt. Zudem meinte er auch, dass ich "eine der Wenigen wäre, die er kennt, die immer ehrlich sind und auch offen sagen, wenn ihnen am Unterricht was nicht passt oder wenn sie mal bei einem anderen RL trainieren wollen".
Und ja, mir fällt es in der Tat sehr oft auf, dass viele Reiter sich unglaublich schwer tun, sich von ihren RL zu "emanzipieren", die entweder heimlich oder gar nicht bei anderen reiten oder die lieber sehenden Auges falsche Trainingsmerhoden annehmen, bevor sie mit ihrem RL das offene Gespräch führen.
Auch hier im Forum lese ich immer mal wieder den Satz: "Das muss ich aber erstnoch irgendwie meinem RL erklären." oder "Ich weiß gar nicht, wie ich es ihm sagen soll, dass ich mal bei einem anderen reiten möchte." etc.
Ich persönlich sehe das alles ja sehr nüchtern: Es geht in erster Linie um mich und mein Pferd. Wenn ich an etwas meine Zweifel habe oder nicht verstehe, spreche ich es an. Und zwar genau in dem Moment, in dem es mir auffällt bzw. mich stört. Denn dafür bezahle ich meinen RL, damit er mir in jeder Situation Rede und Antwort steht. Wenn ich merke, dass der Unterricht generell nicht mehr passt, dann melde ich mich ordenungsgemäß bei meinem RL ab, erkläre ihm warum und wieso und gehe dann zu einem anderen.
Im Grunde also alles ganz einfach. Das kleine "Einmaleins der Umgangsformen". Warum haben damit so viele Probleme bzw. sind nicht selbstbewusst genug? Oft kommt es mir so vor, als würden manche von ihren RL das Geld bekommen, dafür, dass sie bei ihnen Unterricht nehmen - nicht umgekehrt.
Ich selbst habe ab März praktisch 4(!) RL: Meinen mobilen RL, meinen VS-Trainer, meine Vereinstrainerin und eine RLin, die mein Pferd dressurmäßig in Beritt nimmt. Die kenne sich untereinander auch alle und ihr Unterricht geht "in dieselbe Richtung". Und wenn es doch mal Unterschiede gibt, dann empfinde ich sie eher als bereichernd, nicht als störend.
Und letztendlich liegt es ja am Reiter zu erkennen und zu entscheiden, was für ihn und sein Pferd richtig ist!
Wie also seht Ihr das? Und wie ist das bei Euch? Über EHRLICHE Antworten würde ich mich freuen!
LG, Nicole!

